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Antisemitismuskritik im Handgemenge (Tom Uhlig)

Antisemitismuskritik im Handgemenge (Tom Uhlig)

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Die antisemitische Enthemmung seit dem genozidalen Massaker vom 7. Oktober 2023 legt lang gehegte Ressentiments und diskursive Ratlosigkeit frei. Denn die öffentlich geführten Diskussionen zur Aufklärung antisemitischer Ressentiments sind erschreckend: Während die immergleichen Formen antisemitischer Propaganda und Übergriffe die Straßen und Sozialen Medien fluten, rätselt die interessierte Öffentlichkeit zuverlässig, ob es sich dabei tatsächlich um Antisemitismus handele. Es klafft ein Abgrund zwischen dem theoretischen Wissen über Antisemitismus und seiner Vermittlung.

Von politischer Bildungsarbeit wird erwartet, diesen Abgrund zu überbrücken, und dennoch scheitert sie notwendig an ihren Bedingungen. Ihre institutionellen Begrenzungen, staatliches Misstrauen und auch ihre pädagogische Unbestimmtheit zeigen sich hilflos gegenüber dem wilden Irrationalismus der antisemitischen Denkform. Die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit politischer Bildung ist jedoch kein Grund zur Resignation, sondern als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Ohnmacht gegenüber Antisemitismus zu reflektieren. Noch in ihrem Scheitern kann sie die Konflikt- und Psychodynamiken gesellschaftlicher Widersprüchlichkeit im Umgang mit Antisemitismus auf den Begriff bringen.

In Antisemitismuskritik im Handgemenge versucht Tom Uhlig, Klarheit über die eigene politische Bildungsarbeit zu gewinnen, den Blick auf Widersprüche zu schärfen, Frustrationen zu kompensieren, Argumentationsweisen zu entwickeln und in öffentliche Debatten und Fachdiskurse zu intervenieren. Dabei geht es um Verschwörungsideologien, Israelhass, die Neue Rechte, christlichen Antijudaismus, die documenta , Lisa Eckhart, Erinnerungspolitik und die DDR. Im Nachvollziehen dieser Debatten zeigen sich die Widersprüche, Aporien und Herausforderungen politischer Bildung und öffentlicher Positioniertheit gegen Antisemitismus. Denn es lässt sich etwas lernen aus dem gescheiterten Umgang mit Antisemitismus in der Vergangenheit.

Autorenportrait

Tom Uhlig studierte u.a. Psychologie in Frankfurt am Main und promovierte bei Julia König und Astrid Messerschmidt in den Erziehungswissenschaften. Er war einige Jahre Bildungsreferent in der Bildungsstätte Anne Frank und ist Mitherausgeber der Zeitschrift Freie Assoziation für psychoanalytische Sozialpsychologie. Er ist Vertretungsprofessor für Demokratieförderung und Methoden am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain.

Weitere Angaben

Buch (Paperback), Deutsch, 300 Seiten
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