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Das Schloss an der Thaya (Richard Bletschacher)
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Es gibt wohl keinen besseren Gegenstand für einen Romanschriftsteller als die Liebe einer leidenschaftlichen Frau. Einem Mann ist es nur selten gegeben, sein ganzes Sein und Sinnen in diesem einen, alles besiegenden Gefühl zu versammeln. Alles, was uns an Glück zuteilwird, hat in dem verschwenderischen Wunder, durch das uns das Leben geschenkt und behütet wird, seinen Ursprung. Eine auf solche Weise sich selbst entäußernde Frau aber ist in allen Verhältnissen, die ihr von Männern bereitet werden, verurteilt zu leiden.
Vor einhundert Jahren, in einer Epoche des Zerfalls und des Umbruchs zwischen zwei furchtbaren Kriegen, erregten die tragischen Geschehnisse, die sich in einem weltabgeschiedenen Schloss an der Thaya begeben hatten, in Österreich ein erschrockenes Aufsehen. Während vieler Wochen war in allen Zeitungen wenig Wahres und viel Falsches darüber zu lesen. Der Tod zweier Menschen und das beharrliche Schweigen eines dritten hatten die widersprüchlichsten, teils wohlmeinenden, teils verleumderischen Mutmaßungen zur Folge. Eine Schuld jedoch konnte niemandem nachgewiesen werden. Die hilflosen Untersuchungen wurden bald eingestellt. Kein Richterspruch wurde gefällt.
Überlebende Zeugen aus dem Umfeld des Geschehens haben Jahrzehnte danach ihre Erinnerungen berichtet, ohne alle Fragen beantworten zu können. Manches erscheint darum nach vielen Erklärungen nur noch verwirrter. Offenbar wird, wer die Summe der Tatsachen mit der Wahrheit verwechselt, sich immer betrogen finden, wenn es ihm nicht gelingt, die Bruchstücke seiner Erkenntnisse durch das geheime Wissen seiner eigenen Empfindung zu ergänzen.
Vor einhundert Jahren, in einer Epoche des Zerfalls und des Umbruchs zwischen zwei furchtbaren Kriegen, erregten die tragischen Geschehnisse, die sich in einem weltabgeschiedenen Schloss an der Thaya begeben hatten, in Österreich ein erschrockenes Aufsehen. Während vieler Wochen war in allen Zeitungen wenig Wahres und viel Falsches darüber zu lesen. Der Tod zweier Menschen und das beharrliche Schweigen eines dritten hatten die widersprüchlichsten, teils wohlmeinenden, teils verleumderischen Mutmaßungen zur Folge. Eine Schuld jedoch konnte niemandem nachgewiesen werden. Die hilflosen Untersuchungen wurden bald eingestellt. Kein Richterspruch wurde gefällt.
Überlebende Zeugen aus dem Umfeld des Geschehens haben Jahrzehnte danach ihre Erinnerungen berichtet, ohne alle Fragen beantworten zu können. Manches erscheint darum nach vielen Erklärungen nur noch verwirrter. Offenbar wird, wer die Summe der Tatsachen mit der Wahrheit verwechselt, sich immer betrogen finden, wenn es ihm nicht gelingt, die Bruchstücke seiner Erkenntnisse durch das geheime Wissen seiner eigenen Empfindung zu ergänzen.
Autorenportrait
Richard Bletschacher wurde 1936 in Füssen am Lech geboren. Er studierte an den Universitäten von München, Heidelberg, Paris und Wien. Nach seiner Promotion mit einer Dissertation über das Theater des Existenzialismus erhielt er sein erstes Engagement am Theater in der Josefstadt. Im Herbst 1959 wurde er Mitglied der Wiener Staatsoper, der er siebenunddreißig Jahre als Regisseur und Chefdramaturg verbunden blieb. Daneben inszenierte er vor allem Opern auf vier Kontinenten. Er unterrichtete an der Opernklasse und am Reinhardtseminar der Musikhochschule in Wien und gestaltete und mode rierte zahlreiche Sendungen des Österreichischen Rundfunks. Richard Bletschacher hat die Texte zu einer großen Zahl von Werken des Musiktheaters verfasst: Opern mit Musik u.a. von Peter Ronne feld, Iván Eröd, Kurt Schwertsik, Heinz Karl Gruber, Francis Burt und Alfred Schnittke wurden an den renommierten Häusern Deutschlands und Österreichs urauf geführt. Von den Werken des klassischen Repertoires über setzte er Monteverdi, Cavalli, Conti, Gazzaniga, Mozart, Rossini, Donizetti und Puccini. Zu seinen umfangreichsten und in Fachkreisen anerkannten Arbeiten zählen eine Geschichte der Oper (»Apollons Vermächtnis«) und die Darstellung des Lauten- und Geigenbaues in seiner süddeutschen und Tiroler Heimat. Unter seinen literarischen Werken sind Romane, Gedichte und Erzählungen zu finden, weiters über setzte er u.a. die Sonette von Shakespeare.
Weitere Angaben
Buch (Hardcover), Deutsch

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