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Zwischen Kakanien und Europa (Matthias Bauer)
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Musils Denken und Schreiben umkreist Europa auf verschiedenen Bahnen. Gerät es zunächst in den Bann der großdeutschen Machtfantasien, die im Ersten Weltkrieg vernichtet werden, steht es nach 1918 im Zeichen postnationaler Vorstellungen, die allerdings noch unentschieden zwischen einer positiven Bewertung von Pluralität und Diversität einerseits und dem Negativbild einer allgemeinen Kakophonie unvereinbarer Gestaltungsideen und Lösungskonzepte andererseits changieren. Unbestechlich ist jedoch der Blick für die Krisensymptome in praktisch allen Bereichen des kulturellen Lebens: Musils Kritik richtet sich auf den Zusammenhang von patriarchalischer Geschlechterordnung, Wirtschaft und kolonialistischer Herrschaft, auf die Ursachen der Kriegsbegeisterung 1914 und die Folgen der militärischen Niederlage, auf die inneren Widersprüche Mitteleuropas, das in Der Mann ohne Eigenschaften als Kakanien firmiert, und auf die zeitgenössischen Vorbehalte gegenüber Geist und Bildung, die aus seiner Sicht höchst problematisch sind.Die Beiträge des Bandes rücken Musils Krisenanalysen Europas in Vergleichsrelationen zu anderen Autoren der europäischen Moderne - von Joyce und Rilke bis Hesse und Kundera - und fragen nach ihrer literarischen Verarbeitung und Umschrift. Ausgewählte Beispiele zur Wirkungsgeschichte Musils, u.a. bei Jean-Philippe Toussaint und Robert Menasse, rekonstruieren das anhaltende kulturelle Nachleben sowohl seines _uvres als auch einer literarischen Transformationsarbeit an Europa.
Weitere Angaben
Buch (Paperback), Deutsch, 242 Seiten

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